Sinn und Organisation - wie passt das zusammen?

Keynote am 27.09.2019

Organisationen sind nicht erst in Zeiten neoliberaler Ideologie durch Zweckrationalität (Weber) bzw. Systemrealität (Luhmann) gekennzeichnet, in deren Beschreibungen der Mensch als Subjekt nicht vorkommt. Stattdessen geht es, makrosoziologisch, um Funktionen von Rollen und deren Strukturen, welche die konkreten Rollenträger weitgehend austauschbar machen. Dies gewährleistet wesentlich Effektivität und  Stabilität von Organisation.  Organisationsberater und –entwickler zeichnen daher gern „Landkarten“ systemischer Netzwerke und ihrer Dynamik(en).  

Gleichwohl  muss in der konkreten Lebens- und Arbeitsrealität jede Interaktion – als Basis struktureller Dynamiken – durch das „Nadelöhr persönlicher Sinndeutungen“ gehen.  Wobei „Sinn“ nicht als „Lebenssinn“ sondern, biosemiotisch, als „Bedeutungserteilung“ zu verstehen ist und „persönlich“ gemäß der Personzentrierten Systemtheorie immer schon das Zusammenspiel körperlicher, psychischer, interpersoneller und kultureller Prozesse thematisiert. Coaching berücksichtigt  daher die Bedeutungen, Bedürfnisse und Gefühle hinter den Weltbeschreibungen der Personen.

Beiden komplementären Perspektiven muss für den Gedeih der Organisation und die Psychohygiene ihrer Menschen Rechnung getragen werden.  Dies soll der Vortrag entfalten.

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Prof. Dr. Jürgen Kriz hat Psychologie, Philosophie und Pädagogik sowie Astronomie und Astrophysik an den Universitäten Hamburg und Wien studiert, wo er 1969 zum Dr. phil. promovierte. An der Universität Osnabrück hatte er überlappend zu einem Lehrstuhl in Forschungsmethoden (1974-99) ab 1980 die Professur für Psychotherapie und Klinische Psychologie inne. 2010 ließ es sich emeritieren und nahm Gastprofessuren in Wien, Zürich, Riga, Moskau, Berlin und den USA wahr. Er ist Ehrenmitglied von mehreren therapeutischen Fachgesellschaften und erhielt u.a. 2004 den Viktor-Frankl-Preis der Stadt Wien sowie 2014 den AGHPT-Award. 20 Bücher – u.a. in Englisch, Spanisch, Russisch und Lettisch – und rd. 250 Fachpublikationen.

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Elena Linden