Welchen Hut trage ich heute? - Nachdenken über Rollen und Erwartungen in der Beratung

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Eine systemische Beratungsausbildung wird inzwischen von vielen Unternehmen (in Deutschland) als grundlegende Qualifizierung von Beratern vorausgesetzt. Eine fehlende systemische Qualifizierung ist damit ein K.O.-Kriterium für die Entscheidung für oder gegen eine Beratungsdienstleistung. Diese Entwicklung hat eine weitere Facette. Gerade in großen Unternehmen oder Veränderungsprojekten werden zusätzlich andere Kompetenzen nachgefragt. Systemkenntnis im Sinne von Erfahrungswerten mit der Steuerung großer Veränderungsprozesse, Projektmanagement Know-How und Expertenwissen im Bereich Change Management stehen dabei meist im Fokus.

Eine systemische Qualifizierung ist in diesen Kontexten eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung für ein Engagement.

Diese Entwicklung macht es für einen Berater noch wichtiger, eine saubere Auftragsklärung durchzuführen und die Rollen und Aufgabenbereiche, welche in der Erfüllung des Auftrages angenommen werden gut zu kennzeichnen. Die mit den verschiedenen Rollen bzw. Arten von Beratung verbundenen Erwartungshaltungen müssen klar expliziert werden.

Wird die Dienstleistung beispielsweise als Change Management nachgefragt, wird je nach Kundensystem etwas anderes verstanden. So kann beispielsweise im Change Management das Management im Fokus stehen. Typische Erwartungen richten sich dann an die Steuerung, Lenkung und Nachverfolgen des Projektfortschritts. Man ist nicht mehr nur Beobachter und ggf. Störer des Systems sondern übernimmt gezielt die Funktion eines "Ersatzmanagements".

Andere Aufträge zielen verstärkt auf die Bereitstellung von Expertenwissen in Bezug auf den Umgang mit organisationalen Veränderungen. Die Erwartung ist hier der Wissenstransfer und die Beratung durch einen Experten, der auf der Basis einer Analyse spezifische Lösungsvorschläge erarbeitet und dem Kundensystem bereitstellt.

So sind an die unterschiedlichen Rollen spezifische Erwartungen gebunden. Diese beschränken sich nicht alleine auf das Produkt, sondern auch auf die Form der Interaktion. Von einer klassischen systemischen Beratung werden andere Aspekte erwartet als von einer Expertenberatung, z.B. im Hinblick auf den Frageanteil.

Flexibilität in der Kommunikation, eine gute Systemkenntnis und eine ausführliche Auftragsklärung* sind notwendige Kompetenzen und Prozesselemente im immer undurchsichtigeren Feld der Dienstleistung "Beratung".

*Das diese Auftragsklärung systemisch erfolgt versteht sich natürlich.